Genau diese innere Widerstandskraft beschreibt die Psychologie mit einem Begriff: Resilienz.
Ob gesundheitliche Herausforderungen, persönliche Verluste oder unerwartete Veränderungen: Krisen gehören zum Leben. Doch was hilft uns dabei, auch in stürmischen Zeiten handlungsfähig zu bleiben und wieder Zuversicht zu gewinnen?
Der Begriff der Resilienz ist heute vielen Menschen bekannt. Gemeint ist jene innere Kraft, die uns dabei unterstützt, belastende oder sogar existenzbedrohende Krisen zu bewältigen, ohne dauerhaft Schaden zu nehmen. Resilienz ist jedoch kein festes Persönlichkeitsmerkmal, das manche Menschen besitzen und andere nicht.
Resilienz entsteht aus dem Zusammenspiel unserer persönlichen Eigenschaften, unserer Fähigkeiten und Fertigkeiten sowie unserer materiellen und immateriellen Ressourcen.
Wir dürfen davon ausgehen, besonders resilient zu sein, wenn wir:
- Eigenschaften besitzen, die uns durch schwierige Zeiten tragen, etwa Zuversicht oder Gelassenheit. Dabei hilft es, die eigenen Stärken bewusst wahrzunehmen und auch weniger angenehme Eigenschaften anzunehmen.
- Fähigkeiten und Fertigkeiten entwickelt haben, die uns beim Bewältigen von Krisen unterstützen, beispielsweise Hilfe anzunehmen, Kontakt zu Unterstützungsangeboten aufzunehmen, ein Dankbarkeitstagebuch zu führen oder die eigenen Gefühle bewusst wahrzunehmen und zu benennen.
- Hilfreiche Ressourcen erkennen und nutzen können, etwa ein sicheres Zuhause, verlässliche Freundschaften oder auch ein Haustier, das Trost spendet und Freude schenkt.
Resilienz lässt sich stärken
Die gute Nachricht: Resilienz kann trainiert werden. Gerade in stabilen Lebensphasen lohnt es sich, bewusst etwas für die eigene psychische Widerstandskraft zu tun.
Hilfreich sind beispielsweise:
- Achtsamkeitsübungen, etwa achtsames Gehen in der Natur oder bewusstes Wahrnehmen des Augenblicks, indem Sie sich ganz auf Ihre Sinne fokussieren. Das gelingt oft mit den Fragen: Was sehe ich? Was höre ich? Was fühle ich? Was rieche ich?
- Aktives Stressmanagement, zum Beispiel durch Atemübungen oder Entspannungstechniken wie die Methode der progressiven Muskelentspannung. Auch Summen oder Singen kann in angespannten Momenten Wunder bewirken, weil es unserem Nervensystem signalisiert, dass es entspannen kann.
- Die Pflege sozialer Kontakte, etwa durch regelmäßige Treffen oder Telefonate mit vertrauten Menschen. Sogar alltägliche freundliche Begegnungen mit Fremden können Verbundenheit fördern und unsere mentale Gesundheit stärken.
- Das Bewusstsein, dass Herausforderungen zum Leben gehören, verbunden mit der Erinnerung: „Ich habe bereits schwierige Zeiten bewältigt.“ Sehr oft erinnern wir uns daran, was nicht funktioniert hat, ein bewusster Perspektivenwechsel hilft zu erkennen, was uns trotz Herausforderungen schon alles gelungen ist.
- Die Akzeptanz des Vergangenen, verbunden mit der Frage: „Was kann ich daraus lernen?“. Sobald es uns gelingt, die Vergangenheit zu akzeptieren, können wir zu aktiven Gestaltern der Gegenwart und Zukunft werden.
- Das Übernehmen von Selbstverantwortung, indem wir aktiv auf unsere Bedürfnisse achten. Das beginnt schon bei sehr kleinen Themen, wie rechtzeitig zu trinken oder zu essen, wenn wir Durst oder Hunger verspüren. Ausreichend zu schlafen u.v.m.
- Die Förderung der Selbstwahrnehmung, indem wir Gefühle erkennen, benennen und einschätzen lernen. Uns Zeit zu nehmen für das Wahrnehmen von Gefühlen und unangenehme Gefühle nicht gleich wieder zu verdrängen, braucht oft viel Geduld, Übung und manchmal gezielte Begleitung von außen.
- Das Erleben von Selbstwirksamkeit, indem wir Neues in einem sicheren Rahmen ausprobieren und eigene Handlungsmöglichkeiten erfahren. Auch hier sind es oft kleine Veränderungen im Alltag, die nach und nach großes Bewirken können.
- Die kontinuierliche Erweiterung von Fähigkeiten und Fertigkeiten, die uns im Alltag und in Krisenzeiten unterstützen können.
Resilienz bedeutet nicht, nie zu fallen. Resiliente Menschen erleben Krisen ebenso wie alle anderen. Der Unterschied liegt darin, dass sie Wege finden, wieder aufzustehen, sich anzupassen und weiterzugehen.
Eine Frage, die Sie sich in stürmischen Zeiten stellen können, ist: „Welche Kraftquellen helfen mir, wieder festen Boden unter den Füßen zu gewinnen?“
Die gute Nachricht ist: Resilienz ist keine angeborene Gabe. Sie kann wachsen und mit jedem Schritt gestärkt werden. So wird aus einer schwierigen Situation nicht nur eine Herausforderung, sondern mitunter auch eine Chance, die eigene Widerstandskraft neu zu entdecken.